• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan:
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan:
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan:
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan:
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan:

Nach Kreuzbandriss und verpasster Heim-EM ist der Weitspringer und Sprinter wieder in der Erfolgsspur - Deutsche Meisterschaften in Singen

Foto: Oliver Kremer, sports.pixolli.comNach dem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr ist Weitspringer und Sprinter Léon Schäfer vom TSV Bayer 04 Leverkusen wieder in der Erfolgsspur. Schon beim ersten Wettkampf der noch jungen Freiluftsaison steigerte der 22-Jährige seine persönlichen Bestleistungen über 100 Meter und im Weitsprung auf 12,29 Sekunden sowie 6,53 Meter. Weitere Top-Leistungen sind das Ziel – und längst drehen sich seine Gedanken immer mehr auch um die Paralympics in Tokio.

Bereits mit 15 Jahren machte der gebürtige Hannoveraner mit internationalen Erfolgen auf sich aufmerksam, wurde Junioren-Weltmeister im Hochsprung und wiederholte diesen Erfolg weitere vier Mal. 2015 feierte der damals 18-Jährige seine WM-Premiere bei den „Großen“ in Katar. Dort wurde Léon Schäfer Vierter im Weitsprung, es folgte ein dritter Platz bei der WM in London 2017, ebenfalls im Weitsprung, und sogar die Goldmedaille mit der 4x100 Meter-Staffel. Dass er einmal so ein erfolgreicher Para Leichtathlet werden würde, ahnte der frühere talentierte Fußballer anfangs nicht.

2010 die schlimme Diagnose: Knochenkrebs im rechten Bein. „Am Anfang dachte ich, dass ich nachträglich durch einen Zusammenstoß beim Eislaufen eine Beule auf dem Schienbein habe, die ab und an schmerzt. Mit zwölf Jahren denkt man ja nicht an Krebs“, erzählt Léon Schäfer. Doch da der bösartige Knochentumor bereits weiter vorangeschritten war, musste ihm das Bein amputiert werden. Noch im Krankenhaus gab man ihm einen Flyer seines jetzigen Vereins, dem TSV Bayer Leverkusen, wodurch er auf den Para Sport aufmerksam wurde. Schnell sprinten konnte Schäfer schon als Fußballer, so entschied er sich für mehr Einblicke in der Para Leichtathletik.

Auf der Krebsstation im Bremer Krankenhaus hatten alle Kinder einen Wunsch frei: „Das konnte etwas Materielles sein wie eine Reise, ganz egal was. Während meiner Chemo wusste ich nicht, was ich will, aber nachdem ich den Flyer bekam, habe ich mir gewünscht, mal einen Para Leichtathleten zu treffen.“ So wählte Schäfer auch eine Reise – allerdings nach Leverkusen, wo er ein Wochenende mit Paralympics-Sieger und Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm verbrachte. „Da hatte ich noch keine Sportprothese, aber es war so cool, dass ich mich sofort dazu entschieden habe, Para Leichtathletik zu machen“, sagt Léon Schäfer. Sein Vorbild ist inzwischen ein anderer Athlet: Heinrich Popow, mehrfacher Paralympics-Sieger im Weitsprung und über 100 Meter, ebenfalls oberschenkelamputiert. Ihm steht Léon Schäfer sehr nahe, in seine Fußstapfen möchte er treten.

Mittlerweile ist er selbst Profisportler durch und durch, trainiert achtmal die Woche und will bei den Paralympics in Tokio an seine Erfolge anknüpfen. Darüber hinaus studiert er derzeit noch an der Deutschen Sporthochschule Köln, dies wird sich zum Semesterende aber voraussichtlich ändern. „Man hat dort sehr viele Praxiskurse, was sich leider mit meinem hohen Trainingspensum nicht so gut vereinbaren lässt. Das ist dann einfach sehr anstrengend für mich.“ Zum neuen Semester würde er gerne Sozialwissenschaften an der Universität Köln studieren. Viel Zeit für Freunde und Familie bleibt ohnehin nicht. „Anfangs habe ich mich noch dagegen gesträubt, dem Sport so viel Zeit zu geben, aber mittlerweile sehe ich einfach, dass das notwendig ist, um meine Ziele zu erreichen“, berichtet der ehrgeizige 22-Jährige.

Das bittere Jahr 2018 mit Kreuzbandriss und dem Verpassen der Heim-EM in Berlin hat er abgehakt. Viel lieber blickt Schäfer nach vorne. In dieser Saison warten noch einige Highlights auf den gebürtigen Hannoveraner. Immer öfter startet er auch bei inklusiven Wettkämpfen. „Mir gefällt es sehr gegen olympische Athleten anzutreten, die können einen nochmal besser ziehen.“ Doch der Fokus liegt auf dem sportlichen Höhepunkt des Jahres, den Weltmeisterschaften Anfang November in Dubai. Mit Blick auf die Ziele bei seiner dritten WM-Teilnahme redet Léon Schäfer Klartext: „Ich will Medaillen über 100 Meter und im Weitsprung holen. Welche Farbe es dann wird, muss man mal schauen.“

Danach ist der Fokus voll und ganz auf die Paralympics 2020 gerichtet. Nach Rio 2016 mit Platz vier im Weitsprung wäre es seine zweite Teilnahme. Für Tokio setzt sich der DBS-Nachwuchssportler 2017 diesmal Medaillen in seinen beiden Disziplinen als Ziel. Viel Zeit zur Regeneration bleibt dem 22-Jährigen damit nach der WM nicht, dafür soll es nach den Paralympics umso länger in den Urlaub gehen – hoffentlich mit Medaillen im Gepäck. Den Kreuzbandriss, so viel steht fest, hat er gut verkraftet. Léon Schäfer ist zurück im Angriffsmodus.

Quelle: Kim Uhlendorf

 

Jagd auf WM-Normen bei Para Leichtathletik-DM in Singen

Ein starkes Teilnehmerfeld gibt es am Samstag und Sonntag bei der deutschen Para Leichtathletik-Meisterschaft im baden-württembergischen Singen: Neben vier Paralympics-Siegern haben auch viele WM-Teilnehmer und hoffnungsvolle Nachwuchstalente gemeldet.

„Für unsere jungen Athletinnen und Athleten wird es der letzte Härtetest vor der Junioren-Weltmeisterschaft Anfang August in Nottwil sein“, sagt Bundestrainerin Marion Peters und fügt an: „Für die älteren ist es ein echter Meilenstein auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Dubai im November.“ Neben Kugelstoßer Niko Kappel, der in seinem Bundesland ein Heimspiel hat, starten mit Johannes Floors, Daniel Scheil und Martina Willing drei weitere Paralympics-Sieger in der Nähe des Bodensees. Mit Sprinterin Irmgard Bensusan und Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé sind zudem formstarke Athleten dabei, die in dieser Saison schon durch Weltrekorde oder Bestzeiten auf sich aufmerksam machten, dazu gesellen sich mit den Nicoleitzik-Schwestern Nicole und Claudia sowie Marie Brämer-Skowronek weitere erfahrene Nationalmannschaftsmitglieder.

Kugelstoß-Europameister Mathias Schulze hofft ebenso wie seine Cottbusser Teamkolleginnen Janne Engeleiter, Frances Herrmann und Charleen Kosche noch auf die WM-Norm, der Leverkusener Sprinter David Behre ist nach langer Verletzung wie auch der junge Staffel-Europameister Phil Grolla bislang noch ohne Qualifikation für Dubai.

Komplettiert wird das Starterfeld mit Athletinnen und Athleten aus Luxemburg, der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten, um die Konkurrenz zu erhöhen und die Wettbewerbe hochklassiger zu gestalten. „Organisatorisch mache ich mir um die Veranstalter in Singen gar keine Sorge, die sind da richtig fit“, freut sich Niko Kappel, der seinen Weltrekord zurückerobern möchte: „Ich hoffe, dass viele Leute kommen und am Kugelstoßring kräftig anfeuern. Wenn das Wetter und die Stimmung passen, dann kann auch die Kugel weit fliegen.“

Los geht es im Münchriedstadion am Samstag um 10 Uhr, die letzten Entscheidungen fallen am Abend gegen 18 Uhr. Am Sonntag sind die Wettkämpfe zwischen 9 und 12 Uhr angesetzt. Der Eintritt ist frei.

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