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Die Entwicklung von Felicia Laberer geht vor allem in eine Richtung: steil bergauf. Den Traum von einer Medaille verfolgt sie schon seit ihrer Kindheit. Inzwischen hat die 21-jährige Berlinerin im Para Kanu bei allen Großereignissen Edelmetall gewonnen – auf den EM-Titel 2021 folgte Bronze beim Paralympics-Debüt und vor einigen Tagen erneut Platz drei bei der WM. Bei der Heim-EM in München (18. bis 21. August) will Laberer wieder aufs Treppchen, am liebsten ganz nach oben.

Tokio, Anfang September 2021: Felicia Laberer hat in ihrem Kajak alles gegeben, ringt nach 200 Metern im Ziel nach Luft und blickt mit aufgeregter Spannung Richtung Anzeigetafel. Fünf Para Kanutinnen rasten kurz zuvor nahezu gleichzeitig über die Ziellinie. Bange Blicke, Herzklopfen, die Sekunden vergehen quälend langsam. Doch dann folgt großer Jubel gepaart mit purer Erleichterung – denn die damals 20-Jährige taucht als Dritte auf der Leinwand auf und gewinnt Bronze bei ihrem Paralympics-Debüt. „Es war ein perfektes Rennen, so spannend, wir lagen nur ein paar Hundertstel auseinander. Dass es bei der Premiere tatsächlich mit einer Medaille geklappt hat, war einfach überwältigend“, resümiert Laberer knapp ein Jahr später.
 
Eine Medaille war schon immer das Ziel der gebürtigen Berlinerin. Ihre Brüder waren als Schwimmer aktiv, im elterlichen Wohnzimmer hing eine Medaille sowie ein Foto von der Siegerehrung. Schon damals stand „Feli“, wie sie alle nennen, vor dem Bild und sagte zu ihrer Mama: „So eine will ich auch mal haben.“ An ihrem rechten Bein hat Laberer von Geburt an eine Dysplasie und Dysmelie, im Alltag ist sie entweder mit Prothese oder auf Krücken unterwegs. „Meine Eltern wussten schon vor der Geburt, dass ich mit einem verkürzten Oberschenkel zur Welt komme. Mit zweieinhalb Jahren wurde ich operiert, so dass mein Unterschenkel nicht weiter wächst, damit die Prothesenversorgung perspektivisch besser ist“, erklärt Laberer und ergänzt: „Als Familie sind wir mit der Behinderung ganz offen umgegangen und ich bin damit aufgewachsen.“
 
Erst Para Schwimmen, dann Para Kanu: Wechsel vom Schwimmbecken ins Kajak
 
Der Sport spielt schon lange eine große Rolle in ihrem Leben. Wie ihre Brüder zog es „Feli“ zum Schwimmen. Im Wasser startete dann auch ihre Jagd nach den ersehnten Medaillen. Und das Edelmetall ließ bei nationalen Wettkämpfen und Meisterschaften nicht lange auf sich warten. Laberer wechselte an die Sportschule Potsdam, schaffte es in den Nachwuchskader der Para Schwimmer und nahm 2017 an den European Youth Games in Genua teil – mit großem Erfolg. Zweimal Gold sowie jeweils einmal Silber und Bronze nahm sie mit ins Gepäck auf die Heimreise. Ein Jahr später war jedoch Schluss im Schwimmbecken. „Aus verschiedenen Gründen hat es mir nicht mehr so viel Spaß gemacht. Der Traum von den Paralympics war aber trotzdem noch da, also habe ich andere Sportarten ausprobiert – bspw. Rudern und Radsport, aber am besten gefallen hat mir Kanu“, berichtet die 21-Jährige rückblickend.
 
Obwohl sie zuvor nur auf einer Klassenfahrt mal im Kanu saß, harmonierte Laberer schnell mit dem Wettkampf-Kajak. Das jahrelange Schwimmen entpuppte sich dabei als hervorragende Voraussetzung. „Das Training und die Belastung sind natürlich ganz anders, doch von meinem guten Wassergefühl und meiner Rumpfstabilität habe ich sehr profitiert. Es ging dann alles ziemlich schnell und die Ereignisse haben sich überschlagen“, sagt Laberer. Beim Sportclub Berlin-Grünau und am Olympiastützpunkt hat sie perfekte Trainingsbedingungen, inzwischen wohnt sie im Sportinternat. Zum Training muss sie gefühlt nur mit dem Aufzug nach unten fahren. Ihre EM-Premiere feierte Laberer 2019 und wurde Achte. Ein respektabler Einstand, doch eine Teilnahme an den Paralympics in Tokio schien noch weit weg. Es folgte die Corona-Pandemie und die Verschiebung der Spiele. „Das eine Jahr mehr Zeit hat mir sehr in die Karten gespielt. Ich habe dann noch intensiver trainiert und hatte schon die Hoffnung, dass ich es packen kann“, sagt Felicia Laberer, die dem Paralympicskader (PAK) des Deutschen Behindertensportverbandes angehört.
 
Traum Paralympics: „Das ist überwältigend, einfach ein ganz besonderes Feeling“
 
Das Problem war nur: „Dadurch, dass keine Wettkämpfe mehr stattgefunden haben, wusste ich nicht, wo ich im internationalen Vergleich stehe.“ Dennoch entwickelte sie sich rasant weiter und machte große Sprünge. Beim Qualifikations-Weltcup im Mai 2021 wurde es dann ernst. Felicia Laberer wurde Fünfte und sicherte damit einen Startplatz für Deutschland. Wenige Wochen später setzte sie ein großes Ausrufezeichen: Bei den Europameisterschaften überquerte sie die Ziellinie als Erste – Gold bei ihrer zweiten EM-Teilnahme. Es folgte die Nominierung für Tokio und der Traum von den Paralympics ging in Erfüllung. „Ich wollte es immer zu den Paralympics schaffen, aber ich habe den großen Hype nie recht verstanden, schließlich ist es ja die gleiche Konkurrenz wie bei einer WM“, sagt Laberer, um zu ergänzen: „Doch wenn man dann erstmals im Paralympischen Dorf ist, diese coole Atmosphäre erleben und so viele Eindrücke sammeln darf – das ist schon überwältigend, einfach ein ganz besonderes Feeling.“ Als Nachwuchssportlerin war sie bereits 2016 als Mitglied des Jugendlagers der Deutschen Behindertensportjugend bei den Spielen in Rio, doch „wenn man selbst als Athlet vor Ort ist und seinen Wettkampf bestreitet, ist das noch ein völlig anderes Gefühl“.
 
Erst recht, wenn man bei der Premiere direkt eine Medaille gewinnt. „An das Rennen kann ich mich gar nicht mehr erinnern, erst an den Jubel danach. Die Siegerehrung war schön, aber am emotionalsten war für mich der Moment, als das Team mich am Steg empfangen hat. Das ist ja nicht nur meine Medaille, da steckt so viel Arbeit auch vom gesamten Team drin“, berichtet Laberer, die ihre Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement beendet hat und den Fokus nun voll auf den Leistungssport legt. „Um noch weiter vorne zu landen, muss ich noch mehr trainieren und noch professioneller werden.“ Dass ihre Erfolge in 2021 keine Eintagsfliege waren, bestätigte die 21-jährige Para Kanutin bei der WM Anfang August in Kanada. Trotz ungünstiger Renn-Vorbereitung und gelockerter Fixierung am Start schaffte sie es erneut auf den Bronzerang – nur 44 Hundertstel fehlten zum Titel. „Dabei ist es nicht optimal gelaufen. Es geht schon noch besser.“
 
Spannender Dreiklang: EM in München 2022, WM in Duisburg 2023, Paralympics in Paris 2024
 
Worte, die wie eine Kampfansage an die Konkurrenz klingen mit Blick auf die Europameisterschaften in München, die vom 18. bis 21. August im Rahmen der European Championships stattfinden. Beim Heimspiel will „Feli“ mit der Unterstützung von Familie und Freunden erneut aufs Treppchen – am liebsten nach ganz oben. Ihre stärksten Gegnerinnen in der Startklasse KL 3 sind auch in München wieder dabei. „Die besten sechs, sieben Athletinnen der WM kommen alle aus Europa. Ich freue mich auf spannende Rennen und auch auf das gesamte Event. Es ist richtig cool, dass wir ein Teil dieser Veranstaltung sind. Das ist ein schönes Zeichen für Inklusion. Ich hoffe auch, dass ich mir ein paar andere Wettkämpfe anschauen kann“, sagt Laberer und fügt an: „Künftig wünsche ich mir, dass noch mehr Para Sportarten bei den European Championships dabei sind.“
 
Nicht nur die nähere Zukunft ist aufregend, auch der Blick auf die kommenden Jahre lässt große Vorfreude aufkommen. 2023 finden im August die Weltmeisterschaften in Duisburg statt, zudem das Test-Event im Paralympics-Austragungsort. Ein Jahr später folgt schließlich das nächste ganz große Ziel: Paris 2024. Und Felicia Laberer wird alles geben, um sich bei den Paralympics im Nachbarland den nächsten großen Traum zu erfüllen.

Quelle: Kevin Müller

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