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Ein Weltrekord, fünf deutsche Rekorde und viele Bestleistungen in der Schweiz: Das deutsche Para Leichtathletik-Team wusste die guten Bedingungen beim Grand Prix in Nottwil und am Sonntag beim Daniela-Jutzeler-Memorial in Arbon zu nutzen – auch wenn sie für einen letztlich zu gut waren. Herausragend: Niko Kappel, der seinen Weltrekord erneut nach oben schraubte – auf nun 14,99 Meter.

„Ich hatte mit vielem gerechnet heute, aber nicht, dass ich den Rekord nochmals verbessern kann. Der alte Rekord war ja noch warm und nicht mal in den Listen eingetragen – das können sie jetzt lassen“, sagte der Kugelstoßer vom VfB Stuttgart lachend: „Es ist der absolute Wahnsinn. Die Form passt einfach perfekt.“ Erst exakt eine Woche vorher hatte Kappel in Halle an der Saale den Weltrekord des usbekischen Paralympics-Siegers Bobirjon Omonov um 63 Zentimeter auf 14,94 Meter verbessert, in Nottwil wollte der Goldmedaillengewinner von Rio 2016 eine stabile Serie zeigen. Nach einem Stoß auf 13,93 Meter zu Beginn kam im vierten Versuch erstmals Kappels Freudeschrei auf: 14,58 Meter – der zweitweiteste Stoß eines kleinwüchsigen Athleten überhaupt. Versuch fünf: 14,55 Meter. Da nickte Trainer Peter Salzer schon zufrieden – eine starke Serie hatte Kappel gezeigt, wenngleich beide sicher waren, dass noch Luft nach oben ist.
 
Im letzten Anlauf stieß Kappel die Kugel wieder weit, lief erst ruhig davon und bedankte sich beim Publikum in Nottwil. Dann erschienen auf der Anzeige offenbar zu seinem eigenen Erstaunen die 14,99 Meter – fünf Zentimeter mehr als in Halle – und Kappel startete einen Jubel-Lauf. Erst in Richtung Familie und Freundin, dann zu Trainer Salzer, denn „da soll der erste Weg hingehen.“ Und wieder waren sich beide einig, dass Kappel in der letzten Phase des Stoßes noch Potenzial für noch größere Weiten hat.
 
„Ich hoffe, dass ich den Flow mitnehmen und die 15 Meter in diesem Jahr noch knacken kann“, sagt der Welzheimer, der in den nächsten Wochen in Osterode, beim Grand Prix in Paris und den deutschen Meisterschaften in Regensburg am nächsten Meilenstein arbeiten kann. „Es ist einfach schade, dass in diesem Jahr kein Großereignis ansteht, aber ich bin super glücklich, dass sich alles so perfekt ausgeht bisher.“
 
Trotz Windpech: Phil Grolla präsentiert sich stark
 
Bis zum krachenden Abschluss von Kappel hatte der einarmige Sprinter Phil Grolla vom VfL Wolfsburg am Freitag das größte Ausrufezeichen aus deutscher Sicht gesetzt. Der 4x100-Meter-Staffel-Europameister von 2018 war mit einer Bestleistung von 11,00 Sekunden über 100 Meter nach Nottwil gereist und zeigte dann im Vorlauf eine ganz starke Vorstellung: 10,69 wären eine deutliche Verbesserung gewesen, doch mit 2,1 Meter pro Sekunde war der Rückenwind um 0,1 zu stark für eine Anerkennung der Bestzeit.
 
„Das tut weh“, sagte der 21-Jährige und wusste erst nicht so recht, ob er sich freuen oder ärgern soll: „Aber ich bin sehr zufrieden.“ Neben ihm war Sherman Guity Guity, Paralympics-Sieger über 200 Meter, sogar zu einem eingestellten Weltrekord gesprintet, doch auch diese Zeit fand keine Anerkennung, sodass beide umso entschlossener in das 100-Meter-Finale am Samstag starten wollten.
Als einziger von etlichen Läufen hatte dann ausgerechnet das A-Finale Gegenwind, 11,04 Sekunden unterstrichen dennoch Grollas aktuell starke Form: „Ich habe zwar Pech mit dem Wind gehabt, aber darauf lässt sich aufbauen.“ Im gleichen Finallauf hatten auch der sehbehinderte Marcel Böttger mit Alexander Kosenkow Windpech, doch beiden gelang es bereits im Vorlauf, die Bestleistung von 11,06 Sekunden einzustellen.
 
Deutsche Rekorde für Menje, Tietze und Marzillier
 
Doppel-Europameisterin Merle Menje spulte von Donnerstag bis Samstag mit allen Distanzen von 100 bis 5000 Metern ein Riesen-Programm in Nottwil ab. Der Rennrollstuhlfahrerin gelang es dabei, ihren deutschen Rekord über 200 Meter mit 29,35 Sekunden und über 1500 Meter mit 3:19,00 Minuten jeweils zu unterbieten. Am Sonntag beim Daniela-Jutzeler-Memorial in Arbon zeigte Menje erst eine starke Leistung über 1500 Meter und ließ dann noch 11:05,17 Minuten über 5000 Meter folgen – der dritte deutsche Rekord innerhalb weniger Tage. „Es ist Wahnsinn, ich habe meine Bestzeit um elf Sekunden verbessert, das ist unfassbar und ich kann es nicht glauben“, sagte die überwältigte 17-Jährige: „Es hat sich richtig gut angefühlt und Spaß gemacht zu fahren. Die 5000 Meter sind eine tolle Strecke, die mag ich sehr gerne.“
 
Maria Tietze über 100 Meter in 13,49 Sekunden und Max Marzillier über 400 Meter in 50,24 Sekunden holten ebenfalls deutsche Rekorde, der Cottbuser Nachwuchsathlet ließ über 100 Meter in 11,36 Sekunden sogar noch eine Bestzeit folgen. Bundestrainerin Marion Peters zeigte sich folglich sehr zufrieden mit dem Grand Prix: „Es war ein hoffnungsvoller internationaler Saisoneinstieg. Das Zwischenjahr nach den Paralympics haben viele Athletinnen und Athleten zur Weiterentwicklung genutzt und in Nottwil ihren Hunger auf internationale Vergleiche unter Beweis gestellt. Das ist ihnen bei hervorragenden Bedingungen gut gelungen und nach dem Grand Prix in Paris, der IDM in Regensburg und dem Para Leichtathletik Heimspiel am 1. Juli in Leverkusen werden wir dann das Saisonfazit ziehen.“
 
Rehm und Floors mit guten internationalen Leistungen
 
Zwei Paralympics-Sieger, die nicht in Nottwil waren, zeigten in Spanien beziehungsweise den USA ebenfalls erstklassige Leistungen: Markus Rehm sprang beim Meeting Hospitalet in Barcelona 8,15 Meter im ersten Versuch und fühlte sich gut – doch danach hatte der Weltrekordhalter mit schwierigen Windverhältnissen zu kämpfen, um sich noch mal deutlich zu verbessern.
 
Tokio-Goldmedaillengewinner Johannes Floors durfte bei der Diamond League in Eugene in einem von zwei paralympischen Einlagewettkämpfen über 400 Meter gegen die weiteren Medaillengewinner der Paralympics antreten. Außerdem war Blake Leeper am Start, der 2012 Silber in London gewonnen hatte und anschließend zum schnellsten Mann ohne Beine wurde – allerdings auf einer nicht IPC-konformen Prothesenhöhe. Floors traf zum ersten Mal auf Leeper und gewann das Rennen in 48,13 Sekunden deutlich. Die weiteren Plätze belegten wie in Tokio Olivier Hendriks und Hunter Woodhall, Leeper wurde Vierter.

Quelle: Nico Feißt

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