• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan: Ich kann zwar nicht laufen, aber aufs Treppchen komm ich trotzdem
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan: Meine Behinderung sieht man mir nicht an. Aber meinen Siegeswillen.
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan: Ich habe zwar noch nie ein Tor gesehen, aber ich weiß wie man eins schießt.
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan: Man muss nicht laufen können, um die Konkurenz stehen zu lassen.
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan: Ob mir eine zweite Hand helfen könnte? Beim Aufhängen der Trophäen vielleicht.

Die deutsche Para Eishockey-Nationalmannschaft hat eine Teilnahme an den Paralympics 2022 noch nicht abgeschrieben – Corona und fehlende Eisflächen erschwerten lange die Vorbereitung, doch das Team ist motiviert und selbtbewusst

Para Eishockey | Foto: Ralf Kuckuck / DBS Bei der Heim-WM 2019 in Berlin machte die deutsche Para Eishockey-Nationalmannschaft viel Werbung für ihren Sport. Temporeich, taktisch, körperbetont – auf dem Eis geht’s spektakulär zur Sache. Für den ersehnten Aufstieg zurück in die A-Gruppe hat es jedoch nicht gereicht. Dennoch ist die Tür nach Peking für die deutschen Para Eishockeyspieler weiterhin offen. Um noch an den Winter-Paralympics 2022 teilzunehmen, muss bei der in den Herbst verschobenen B-WM im schwedischen Östersund (17. bis 22. September) mindestens Platz drei her. Dann hätte Deutschland beim Qualifikationsturnier Ende des Jahres (Termin und Austragungsort noch offen) noch die letzte Chance auf das Ticket nach China.

Es wäre nach 2006 erst die zweite Paralympics-Teilnahme eines deutschen Teams überhaupt. In den vergangenen Jahren wurde die Qualifikation jeweils knapp verpasst. Doch die Mannschaft rappelte sich trotz der teils bitteren Erlebnisse immer wieder auf – und lässt sich nicht unterkriegen. „Die Jungs sind heiß und wollen sich den Traum von den Paralympics unbedingt erfüllen“, sagt Cheftrainer Andreas Pokorny. Dass das keine leichte Aufgabe wird, weiß der früherere Profi der Kölner Haie auch. Vor allem die Corona-Pandemie erschwerte die Situation zusätzlich und damit auch die Vorbereitung auf die mögliche Paralympics-Qualifikation. „Corona und fehlende Eisflächen waren lange Zeit unser Problem. Auch die Liga musste diese Saison abgesagt werden. Doch seit März haben wir endlich unseren coronabedingten Winterschlaf beendet und bereiten uns motiviert auf unser Etappenziel, der B-WM in Schweden, vor“, berichtet Pokorny. „Die Jungs haben sich mit Kraft- und Ausdauertraining fitgehalten, damit sie die sportliche Herausforderung meistern.“

Dass sie das Eishockeyspielen nicht so schnell verlernen, zeigten die deutsche Nationalspieler nicht nur im vergangenen Jahr nach dem Frühjahrs-Lockdown. In mehreren Testspielen gegen die favorisierten Teams aus Italien und Norwegen war die deutsche Mannschaft nicht nur auf Augenhöhe, sondern feierte auch einige Siege und hatte unter dem Strich eine positive Bilanz. Nun wurde der Trend fortgesetzt: Gegen den Weltranglistenvierten Tschechien spielte das Team gut und verlor zweimal nur knapp (2:3 und 3:4). „Die Auftritte und Ergebnisse haben uns Hoffnung gemacht. Wir haben gezeigt, dass wir auf dem aufsteigenden Ast sind. Diesen Schwung müssen wir mitnehmen und daran anknüpfen“, betont Pokorny. Weiter geht’s vom 27. bis 30. Mai mit drei weiteren Vergleichen gegen Italien.

Klar ist, dass die deutsche Mannschaft die positiven Auftritte in den Testspielen auch dann zeigen muss, wenn die wichtigen Entscheidungen fallen. Das war in den vergangenen Jahren das Manko. „Daran müssen wir ansetzen, dass wir dann unsere beste Leistung zeigen, wenn es drauf ankommt und wir unter Druck stehen. Da müssen wir uns auch mental verbessern“, sagt Pokorny. Für die geplante B-WM im Herbst ist die Marschroute klar: „Unsere größten Konkurrenten sind Schweden und Japan, einen davon müssen wir hinter uns lassen.“ Dann hätte Deutschland aller Vorraussicht nach die Teilnahme am Qualifikationsturnier gesichert und könnte um die Paralympics kämpfen.

„Für die Entwicklung von Para Eishockey in Deutschland wäre eine Teilnahme an den Paralympics Gold wert“, sagt Andreas Pokorny – schließlich geht davon eine große Strahlkraft aus, die der Sportart den dringend benötigten Schub geben könnte. International wurde das deutsche Team nach dem EM-Titel 2005 und dem vierten Platz bei den Paralympics 2006 aus der Weltspitze verdrängt, national fehlt es an den notwendigen Strukturen – wobei das eine mit dem anderen zusammenhängt. Es mangelt an Nachwuchs, die Liga bestand viele Jahre nur aus vier Teams und Trainingszeiten auf dem Eis sind rar.

Doch es gibt durchaus Hoffnungsschimmer: In der Liga sollen zur nächsten Saison sechs Mannschaften antreten. Auch strukturell sind dank neu abgeschlossener Kooperationen und der engeren Verzahnung mit dem Deutschen Eishockey-Bund positive Entwicklungen erkennbar. Finanziell unterstützt Lebensmittel-Discounter Penny nach der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und dem Deutschen Eishockey Bund (DEB) nun auch den paralympischen Eishockeysport in den kommenden Jahren. Zudem freut sich Cheftrainer Pokorny über eine größere Auswahl an Spielern und folglich mehr Konkurrenzkampf: „Wir haben ein paar junge, hungrige Spieler hinzubekommen, die Talent mitbringen.“ Und wer weiß, vielleicht gelingt mit dem Rücken zur Wand und mit neuem Schwung die ersehnte Teilnahme an den Paralympics. Die Mannschaft jedenfalls ist gewillt, es im nächsten Anlauf zu packen. Es wäre ein großer Erfolg und ein wichtiger Meilenstein – für die Spieler und auch für die Sportart Para Eishockey in Deutschland generell.

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