• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan: Ich kann zwar nicht laufen, aber aufs Treppchen komm ich trotzdem
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan: Meine Behinderung sieht man mir nicht an. Aber meinen Siegeswillen.
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan: Ich habe zwar noch nie ein Tor gesehen, aber ich weiß wie man eins schießt.
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan: Man muss nicht laufen können, um die Konkurenz stehen zu lassen.
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan: Ob mir eine zweite Hand helfen könnte? Beim Aufhängen der Trophäen vielleicht.

Para Schwimm-EM: Elena Krawzow, Denise Grahl und Taliso Engel krönen sich zu Europameistern – Janina Breuer schnappt sich Silber, Gina Böttcher und Marlene Endrolath schwimmen zu Bronze

Taliso Engel | Foto: Ralf Kuckuck / DBS Nachdem die deutsche Mannschaft am Sonntag zum Auftakt der Para Schwimm-EM in Madeira sich zwei Medaillen sichern konnte, Verena Schott schnappte sich über 100 Meter Rücken in der Startklasse S6 Silber und Mira Jeanne Maack Bronze über 400 Meter Freistil (S8), ging es am zweiten Wettkampf-Tag direkt gut weiter: In fünf von sechs Finals, in denen Athleten der deutschen Mannschaft an den Start gingen, gab es Medaillen – und zwar sechs an der Zahl! „Ein goldiger und aufregender Tag“, freute sich Bundestrainerin Ute Schinkitz am späten Abend über die Erfolge des deutschen Teams.

Im ersten Endlauf mit doppelter deutscher Beteiligung schnappte sich Denise Grahl gleich Gold. Mit 5:37,07 Minuten triumphierte die 29 Jahre alte Schwimmerin vom Hanse SV Rostock vor Erel Halevi aus Israel, die die ersten 350 Meter noch vorne lag. Bei der letzten Wende war Grahl fast fünf Sekunden hinter der Israelin – und drehte dann richtig auf. Nach der Hälfte der letzten Bahn lag die Rostockerin schon gleichauf mit Halevi und flog auf den letzten 25 Metern förmlich an der Israelin vorbei. 39,67 Sekunden brauchte Grahl für die achte Bahn – und nahm ihrer Kontrahentin knapp sechs Sekunden dabei ab. „Ich bin sehr glücklich und auch überrascht“, sagte Denise Grahl nachdem sie sich zur Europameisterin gekrönt hatte. Nach Silber bei der EM2018 war es die zweite Medaille Grahls über die 400 Meter Freistil. „Denise ist ein tolles, überlegtes Rennen geschwommen“, sagte Bundestrainerin Schinkitz. Wie sich Grahl Gold erkämpft habe „war taktisch prima.“ Bronze ging an die Schwedin Agnes Kramer. Katherina Rösler (Hanse SV Rostock) war die zweite Deutsche im Finale über 400 Meter Freistil. Mit 6:41,15 Minuten wurde die 19 Jahre alte Athletin Achte.

Das zweite Finale mit deutscher Beteiligung war gleichbedeutend mit dem nächsten Edelmetall: Gina Böttcher vom SC Potsdam schwamm über 100 Meter Freistil in der Startklasse S4 zu Bronze. Die mit 20 Jahren jüngste Athletin ihres Endlaufs konnte mit Selbstvertrauen in ihr Finale gehen: Ihre 1:36,59 Minuten vom Montagmorgen bedeuteten die beste Qualifikationszeit. Böttcher kam auch gut aus dem Startblock, schlug bei der Wende allerdings als Vierte an. Auf den zweiten 50 Metern ließ sie ihrer Konkurrentin um Bronze, Nataliia Butkova, keine Chance und unterbot nochmals ihre Zeit aus der Qualifikation: Nach 1:34,79 Minuten schlug die 20-Jährige an und sicherte sich nach den drei Medaillen bei der EM 2018 in Dublin bereits zum vierten Mal Edelmetall bei Europameisterschaften. „Ich habe mich jetzt nicht ganz so schnell gefühlt. Ich wollte unbedingt unter den 1:35 Minuten bleiben, ich bin froh, dass das auch geklappt hat“, sagte Gina Böttcher. Gold ging mit neuem Europarekord an die Italienerin Arjola Trimi (1:31,46min), die Spanierin Marta Fernandez Infante holte Silber.

Äußerst souverän schwamm Janina Breuer zur dritten deutschen Medaille: Über die 100 Meter Rücken in der Startklasse S14 bestimmte die 22 Jahre alte Schwimmerin vom SSC Karlsruhe zusammen mit der Favoritin Jessica-Jane Applegate vom Start weg das Geschehen. Betrug Breuers Vorsprung bei der Wende auf Platz drei noch eine halbe Sekunde, baute sie diesen auf den zweiten 50 Metern auf über drei Sekunden aus. Nach 1:12,00 Minuten war die gebürtige Aachenerin im Ziel und sicherte sich hinter der souverän voranschwimmenden Applegate Silber. Die Britin benötigte 1:09,37 Minuten für ihr Gold, Olga Poteshkina aus Russland wurde Dritte.

Der Weltmeister von 2019 ist auch der neue Europameister über die 100 Meter Brust: Taliso Engel ließ der Konkurrenz in der Startklasse S13 keine Chance. Direkt neben dem 18 Jahre alten Deutschen schwamm Ihar Boki, der bereits elf Mal Gold bei den Paralympics gewinnen konnte – doch sowohl bei der Wende, als auch im Ziel lag der Belaruse knapp zwei Sekunden hinter dem Schwimmer der SG Bayer. Mit 1:04,22 Minuten stellte Engel eine neue persönliche Bestleistung auf. Boki, der den Spitznamen „Biest“ trägt, schlug erst nach 1:06,20 Minuten an und musste sich mit Silber zufriedengeben. Maksim Nikoforov aus Russland komplettierte das Siegertreppchen. „Ich fühle mich großartig und bin wahnsinnig froh, dass ich Erster geworden bin. Ich habe einen riesigen Respekt vor Ihar Boki und den anderen Konkurrenten“, sagte ein ordentlich pumpender Taliso Engel in der Mixed Zone. „Ich bin echt stolz auf meine Leistung heute.“ 2018 in Dublin holte sich Engel mit Bronze seine erste Medaille bei den Herren – drei Jahre später dominiert er im Olympic Swimming Complex von Madeira.

Ähnlich überlegen gestaltete auch Elena Krawzow ihre 100 Meter Brust: Die 27 Jahre alte Berlinerin, die zuvor in der Startklasse S12 für zahlreiche Weltrekorde sorgte, wurde kurz vor der Europameisterschaft in die S13 klassifiziert. Doch auch in dieser Startklasse überragte die gebürtige Kasachin und holte sich in 1:14,12 Minuten Gold. Es ist bereits der vierte Titel bei Europameisterschaften für Krawzow über die 100 Meter Brust. Auf ihrer Paradestrecke ist sie zudem auch Doppel-Weltmeisterin. Laut Bundestrainerin Schinkitz sei Krawzow trotz Gold nicht ganz zufrieden mit sich gewesen, wäre gerne schneller geschwommen. Bereits 2019, als die 27-Jährige zum zweiten Mal Weltmeisterin wurde, interessierte sie eher die Zeit und nicht das Gold. Im gleichen Finallauf sorgte Marlene Endrolath, die wie Krawzow für das Berliner Schwimmteam startet, für das sechste deutsche Ausrufezeichen: In 1:20,84 Minuten holte sich die sehbehinderte Athletin Bronze! Bei ihren zweiten Europameisterschaften nach 2018 in Dublin konnte sie sich ihre erste Medaille sichern. Silber ging an die Belarusin Anastasiya Zudzilava.

Bei ihrer EM-Premiere schaffte es Mira Jeanne Maack nach ihrer Bronzemedaille über 400 Meter Freistil auch am zweiten Wettkampftag in ein Finale: In der Startklasse S8 schwamm sie die 100 Meter Rücken in 1:22,77 Minuten und wurde starke Vierte. Zwei Sekunden fehlten der Berlinerin zu ihrer zweiten Medaille in Madeira.

Weitere Informationen und Ergebnisse rund um die EM im Para Schwimmen gibt es unter www.paralympic.org/madeira-2020.

Das deutsche EM-Team für Madeira:
Elena Krawzow (27 / Berliner Schwimmteam / Nowowoskresenowka, Kasachstan), Marlene Endrolath (20 / Berliner Schwimmteam / Göppingen), Mira Jeanne Maack (17 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Cosima Reinicke (18 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Justin Kaps (19 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Malte Braunschweig (20 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Denise Grahl (29 / Hanse SV Rostock / Schwerin), Neele Labudda (18 / Hanse SV Rostock / Lübeck), Katherina Rösler (19 / Hanse SV Rostock / Rostock), Gina Böttcher (20 / SC Potsdam / Brandenburg a. d. Havel), Verena Schott (32 / BPRSV / Greifswald), Janina Breuer (22 / SSC Karlsruhe / Aachen), Taliso Engel (18 / SG Bayer / Lauf a. d. Pegnitz), Tobias Pollap (34 / SG Bayer / Hattingen), Fabian Brune (20 / SG Bayer / Attendorn), Johannes Weinberg (18 / TV 1860 Immenstadt / Oberstdorf).

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