• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan: Ich kann zwar nicht laufen, aber aufs Treppchen komm ich trotzdem
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan: Meine Behinderung sieht man mir nicht an. Aber meinen Siegeswillen.
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan: Ich habe zwar noch nie ein Tor gesehen, aber ich weiß wie man eins schießt.
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan: Man muss nicht laufen können, um die Konkurenz stehen zu lassen.
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan: Ob mir eine zweite Hand helfen könnte? Beim Aufhängen der Trophäen vielleicht.

Der Deutsche Behindertensportverband mahnt an, neben der notwendigen Eindämmung der Pandemie auch die künftigen Auswirkungen der Einschränkungen auf den Rehabilitations- und Breitensport zu berücksichtigen – Große Sorge mit Blick auf Verbände, Vereine und auch Menschen mit Behinderung

Im Sinne des Infektionsschutzes und zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leistet auch der Behindertensport in diesem Jahr einen erheblichen gesamtgesellschaftlichen Beitrag. „Doch es ist ein schmaler Grat zwischen notwendiger Verantwortung und größer werdenden Sorgenfalten für die Zukunft – sowohl mit Blick auf den Rehabilitationssport als auch auf den Breitensport“, sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), anlässlich der verlängerten und verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die Bund und Länder am 25. November 2020 beschlossen haben.

Der DBS hatte für den November vorübergehend die Einstellung des ärztlich verordneten Rehabilitationssports empfohlen. Etwa 75 Prozent der rund 112.000 Rehabilitationssportangebote in Deutschland findet in den über 6300 Sportvereinen des DBS statt. „Für uns hat der Gesundheitsschutz eine hohe Priorität“, stellt Beucher klar, fügt aber hinzu: „Allerdings herrscht bei unseren Vereinen und den Rehabilitationssportler*innen eine erhebliche Verunsicherung. Um die Akzeptanz der notwendigen und verlängerten Maßnahmen zu erhöhen, benötigen wir unbedingt Planungs- und Handlungssicherheit für die Zukunft sowie eine möglichst schnelle, sorgsame Rückkehr zum Sport unter Berücksichtigung der Regelungen, sobald es das Infektionsgeschehen zulässt.“

Wichtige Aspekte des Rehabilitationssports sind die Gruppendynamik, der soziale Austausch und der Selbsthilfecharakter des Sports. „Es ist unsere Aufgabe und Pflicht, zusätzlich zum verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie sowie der notwendigen Hygienemaßnahmen und Kontaktreduzierungen auch die künftigen Auswirkungen im Blick zu haben. Klar ist: Je länger die Einschränkungen andauern, desto härter werden uns die Folgen treffen. Einerseits finanziell für die Verbände und die Vereine, andererseits sehen wir die Gefahr, dass nachhaltige psycho-soziale Konsequenzen überhandnehmen, wenn Sportangebote längerfristig ausfallen – oder womöglich sogar dauerhaft wegfallen“, befürchtet Friedhelm Julius Beucher und betont: „Ein längerer Lockdown birgt auch für den Sport große Gefahren.“

Dies betrifft neben dem Rehabilitationssport auch den Freizeit- und Breitensport von Menschen mit Behinderung. Ohnehin gibt lautem zweiten Teilhabebericht der Bundesregierung fast jeder zweite Mensch mit Behinderung an, keinen Sport zu treiben (46 Prozent) – bei Menschen ohne Behinderung sind es nur 28 Prozent. Dies liegt auch daran, dass es schon vor dem Aufkommen der Corona-Pandemie nicht ausreichend wohnortnahe Sportangebote für Menschen mit Behinderung gab. „Wir haben die Sorge, dass es durch finanzielle Nöte bedingt durch die Einschränkungen künftig noch weniger Angebote geben wird und folglich noch weniger Menschen mit Behinderung sportlich aktiv sind“, sagt DBS-Vizepräsidentin Katrin Kunert.

Dabei hat der Sport gleich mehrere Vorteile: Bewegung fördert die Mobilität von Menschen mit Behinderung auch im Alltag und erhöht die physische und psychische Lebensqualität, eine gute körperliche Grundfitness erleichtert das Überwinden so mancher Hürden im öffentlichen Raum. So sei auch der Breitensport nicht nur als reines Freizeitvergnügen anzusehen, betont Kunert. „Sport ist ein Inklusionsmotor und für Menschen mit Behinderung ein wichtiger Bestandteil für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wir dürfen uns nicht längerfristig abbringen lassen vom ohnehin mühevollen Weg, die von Deutschland 2009 unterzeichnete UN-Behindertenrechtskonvention auch im Sport konsequent umzusetzen.“

Sport schafft Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung, erzeugt Verständnis füreinander und Freude miteinander, Sport hat eine hohe Relevanz für die Persönlichkeitsentwicklung für Kinder und Jugendliche und ist wichtig für die Gesunderhaltung aller Altersgruppen – sowohl körperlich als auch psycho-sozial. Friedhelm Julius Beucher mahnt: „Die wichtigen Beiträge des Sports für die Gesellschaft gehen verloren. Die Verbände und Vereine dienen keinem Selbstzweck, sondern den Menschen vor Ort. Wir müssen aufpassen, dass wir durch den neuerlichen Lockdown nicht Mitglieder, Übungsleiter*innen und weitere Ehrenamtler*innen sowie letztlich auch Sportangebote in großer Anzahl verlieren.“ Deswegen seien Strategien zu entwickeln, um die Folgen abzumildern und die Angebote dauerhaft zu sichern. Auch der DBS wird gemeinsam mit den Partnern im Verband sowie in Politik und Wirtschaft einen Maßnahmenkatalog aufstellen.

Beucher und Kunert plädieren neben der erforderlichen Planungssicherheit dafür, nach einer Phase des weitgehenden Aussetzens nun eine verantwortungsvolle Wiederaufnahme von Sportangeboten anzustreben. „Selbstverständlich unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes und der erforderlichen Hygienemaßnahmen. Unsere Vereine haben bereits umfassende und sorgfältige Konzepte entwickelt, die bei strenger Einhaltung das Sporttreiben wieder möglich machen sollten.“

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