• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan:
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan:
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan:
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan:
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan:

Goalball-EM: In Rostock holen Deutschlands Goalballer den ersten EM-Titel in der Geschichte – Damen gewinnen mit Bronze die erste Medaille seit 14 Jahren

Foto: Binh Truong / DBS Das Märchen ist perfekt, der Traum in Erfüllung gegangen: Deutschlands Goalballer sind bei der Heim-EM in Rostock erstmals in der Geschichte Europameister geworden. Vor 2000 Zuschauern feierte die Mannschaft von Cheftrainer Johannes Günther durch einen 6:2-Sieg im Finale gegen die Ukraine die Goldmedaille. Auch die deutschen Damen jubelten: Sie gewannen im Spiel um Platz drei sensationell Bronze. Noch nie zuvor hat es im Goalball eine stimmungsvollere und professionellere EM gegeben als in Rostock. „Wir wollten die beste Europameisterschaft aller Zeiten auf die Beine stellen. Dieses Ziel haben wir erreicht“, sagte Nationalspieler Reno Tiede, der bis zum Sommer auch Organisationsleiter war.

Herren, Finale: Deutschland – Ukraine 6:2 (4:1). Die Rostocker StadtHalle kochte bereits vor dem Anpfiff, nach der Schlusssirene brachen dann alle Dämme. Deutschlands Goalballer hüpften euphorisch über das Spielfeld, die 2000 Zuschauer auf den Rängen feierten die frischgebackenen Europameister lautstark. „Das war richtig geil. Alle waren auf unserer Seite und haben uns angefeuert, das war der Hammer“, betonte Reno Tiede und fügte hinzu: „Es ist ein unvergessliches Erlebnis, als Athlet in der eigenen Stadt Europameister zu werden.“ Die deutschen Spieler konnten ihr Glück kaum fassen. Sie haben dem Druck standgehalten, meisterten auch schwierige Phasen im Turnierverlauf, entschieden die knappen Spiele für sich und setzten ihr offensiv formuliertes Ziel in die Tat um. Wie groß der Jubel und auch die Erleichterung darüber waren, spürte nach dem Ende der Partie wohl jeder in der Rostocker StadtHalle. „Wir haben sehr akribisch gearbeitet, haben täglich ausführliche Videoanalysen durchgeführt und uns so professionell vorbereitet wie noch nie. Es ist geil, dass sich das ausgezahlt hat“, resümierte Cheftrainer Johannes Günther.

Pünktlich zum Finale zeigte das deutsche Team die beste Leistung des Turniers, legte einen konzentrierten und selbstbewussten Auftritt hin. Stabil in der Defensive und mit gefährlichen Aktionen in der Offensive nahm Deutschland angetrieben von der Kulisse schnell das Heft in die Hand und ging durch den überragenden Oliver Hörauf sowie Geburtstagskind Michael Feistle mit 2:0 in Führung. Die Ukrainer, die zuvor eine starke EM spielten und noch kein Spiel verloren hatten, verkürzten, doch Hörauf hatte mit einem Doppelschlag vor der Pause die passende Antwort parat: 4:1. Erneut kam die Ukraine heran, doch wieder war es Hörauf, der nach einer starken Parade in der Defensive direkt zum 5:2 traf. Der Schlusspunkt war dem Geburtstagskind vorbehalten: Feistle, der die komplette K.-o.-Runde mit Oberschenkelverletzung spielte, wischte alle verbliebenen Zweifel weg und sorgte mit dem 6:2 für die endgültige Entscheidung.

Nach dem Viertelfinal-Einzug bei den Paralympics in Rio und zwei Silbermedaillen bei der EM 2017 und der WM 2018 haben sich Deutschlands Goalballer bei der Heim-EM selbst gekrönt und schrieben damit Goalball-Geschichte. „Die Mannschaft hat eine Riesenleistung gezeigt. Jetzt freuen wir uns total darauf, nach der verdienten Pause weiterzumachen und uns auf die Paralympics in Tokio vorzubereiten“, sagte Johannes Günther. Für die EM hatte er nur lobende Worte: „Bei jedem Tor ist eine Welle der Begeisterung ausgebrochen. Der Support durch das Publikum war unglaublich. Was Rostock auf die Beine gestellt hat, ist der Wahnsinn.“

Damen, Spiel um Bronze: Deutschland – Großbritannien 8:2 (4:0). Die Sensation ist perfekt: Riesiger Jubel bei den deutschen Goalballerinnen. Den Klassenerhalt wollten sie schaffen nach einer Vorbereitung mit vielen Rückschlägen und Verletzungspech – jetzt haben sie bei der Heim-EM Bronze gewonnen. Es ist die erste Medaille bei einem großen Turnier seit 14 Jahren, 2005 holten die deutschen Damen den EM-Titel. „Das ist einfach irre. Ich bin wahnsinnig stolz auf die Mädels, das ist unser Herbstmärchen. Es waren unglaublich emotionale Tage in Rostock“, jubelte Cheftrainer Thomas Prokein.

Dabei ging seine Auswahl als Außenseiter ins kleine Finale. Zwar gewann Deutschland in der Vorrunde gegen Großbritannien überraschend mit 4:2, doch die Britinnen fanden anschließend in die Spur, bezwangen zunächst in der Gruppe Finalist Israel und schalteten im Viertelfinale sogar Weltmeister Russland deutlich aus. Angefeuert von einer tollen Kulisse legten allerdings die deutschen Damen bei der Frühschicht morgens um 9.30 Uhr hellwach und konzentriert los. Charlotte Hartz traf zur frühen Führung – und ließ bis zur Pause drei weitere Treffer folgen. Mit jedem Tor wurde die Sicherheit größer, so parierte Pia Knaute kurz vor der Halbzeit auch einen Penalty der Britinnen. Die verkürzten zwar nach dem Seitenwechsel auf 1:4, doch danach wurde die Charlotte Hartz-Show fortgesetzt. Die 24-jährige Hamburgerin, die für die SSG Blista Marburg spielt, netzte noch dreimal ein, auch Pia Knaute traf – während Cheftrainer Thomas Prokein am Spielfeldrand abhob und seinen Emotionen freien Lauf ließ. Deutlich und ungefährdet setzte sich Deutschland mit 8:2 durch und schnappte sich Bronze – es ist wohl die größte Überraschung dieser EM.

„Wir haben keine gute Saison gespielt, hatten im Vorfeld eher schon etwas Schiss, dass wir bei der Heim-EM versagen“, gab Charlotte Hartz Einblick in ihre Gefühlswelt und ergänzte: „Eine Medaille war absolut undenkbar – und jetzt haben wir Bronze. Das ist der Wahnsinn.“ Die Stimmung in der StadtHalle hat die Mannschaft beflügelt. „Das war richtig geil. Es war so viel Lärm, das hat uns zusätzlich gepusht“, betonte Hartz. Die deutsche Topscorerin wird ihre internationale Karriere nun ebenso beenden wie Mitspielerin Stefanie Behrens, auch Thomas Prokein hört nach fast 20 Jahren als Cheftrainer der Goalball-Damen auf. „Einen schöneren Abschluss kann es einfach nicht geben. Von uns fällt eine große Last ab. Ich verspüre eine große Zufriedenheit und habe tiefsten Respekt vor der Leistung meiner Mannschaft. Sie haben sich vor so vielen Zuschauern hervorragend präsentiert.“ Die deutschen Damen haben bei der Heim-EM begeistert. Und nach tollen Auftritten verdient Bronze gewonnen.

Bei den Siegerehrungen wurden nicht nur die beiden deutschen Teams gebührend gefeiert. Hinter Deutschland und der Ukraine holte sich Litauen die Bronzemedaille bei den Herren. Bei den Damen jubelte die Türkei über den EM-Titel, nachdem sich das Team in einem spannenden Finale knapp mit 8:6 gegen Israel durchgesetzt hatte.

Stephan Mayer, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, fieberte am Finaltag in der StadtHalle mit und zeigte sich begeistert von der Sportart Goalball: „Was hier geleistet wurde, kann sich wirklich sehen lassen. Rostock war ein hervorragender Gastgeber für die Goalball-EM. Die Athletinnen und Athleten haben nicht nur tollen Sport gezeigt, sie sind auch Sympathieträger und Vorbilder.“ Zudem galt der Dank den über 100 Volunteers und den zahlreichen Zuschauern. Dr. Karl Quade, Vize-Präsident Leistungssport im Deutschen Behindertensportverband, resümierte: „Es war eine tolle und gelungene Veranstaltung. Die Athletinnen und Athleten haben begeistert mit beeindruckenden Leistungen in einer faszinierenden Sportart.“

Informationen zur EM gibt es unter www.em-rostock2019.de.

 

Die deutschen Teams bei der Heim-EM:
Damen: Stefanie Behrens (34 / Jena / SSG Blista Marburg), Annkathrin Denker (27 / Lübeck / SSG Blista Marburg), Charlotte Hartz (24 / Hamburg / SSG Blista Marburg), Pia Knaute (23 / Magdeburg / SSG Blista Marburg).

Herren: Michael Feistle (26 / Düren / SSG Blista Marburg), Stefan Hawranke (34 / Zittau / SSV Königs Wusterhausen), Oliver Hörauf (22 / Bautzen / Chemnitzer BC), Felix Rogge (30 / Neubrandenburg / Chemnitzer BC), Thomas Steiger (23 / Ellwangen / BVSV Nürnberg), Reno Tiede (29 / Rostock / RGC Hansa).

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