• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan:
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan:
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan:
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan:
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan:

Para Radsport-WM: 19 Edelmetalle für das deutsche Team – Eskau und Merklein krönen sich zu Doppel-Weltmeisterin – Zeyen und Hausberger holen bei ihrer WM-Premiere direkt den Titel

Foto: Oliver Kremer, sports.pixolli.comWas für ein Abschluss, was für eine Medaillenausbeute: Am letzten Wettkampftag der Weltmeisterschaften im Para Radsport im niederländischen Emmen hat die deutsche Mannschaft ihren erfolgreichsten Tag gefeiert – mit sieben Medaillen, darunter drei Weltmeistertiteln. Handbikerin Annika Zeyen gewann bei ihrer ersten WM-Teilnahme überraschend das Straßenrennen der Klasse H3, zudem krönte sich Andrea Eskau zur Doppel-Weltmeisterin – ebenso wie Vico Merklein. Bereits der Start am Sonntag verlief perfekt mit dreimal Silber und einmal Bronze in den Dreirad-Klassen. Insgesamt gewann das deutsche Team acht Gold-, acht Silber- und drei Bronzemedaillen.

Die frühere Rollstuhlbasketballerin und Para Leichtathletin Annika Zeyen war nach einer Verletzung 2018 aufs Handbike gewechselt und fuhr dieses Jahr ihre erste Saison im Para Radsport. Nach einem sechsten Platz im Zeitfahren kündigte Zeyen im Straßenrennen einen Angriff an, machte ihr Versprechen mit einem beherzten Auftritt wahr und wurde mit Gold und dem Regenbogentrikot belohnt. Dabei war Zeyen nach einer Kollision zunächst sogar zurückgefallen, kämpfte sich aber zurück und fuhr auf dem letzten Kilometer allen davon.

„Die Amerikanerin hatte sich bei mir hinten festgefahren, wir mussten einmal komplett anhalten“, berichtete Zeyen. „Jemand von der UCI ist gekommen und hat uns auseinandergezogen, und dann mussten wir erstmal die Lücke wieder schließen. Das war der härteste Teil des ganzen Rennens. Ich hatte vorher schon immer am Berg getestet, wie ich im Vergleich zu den anderen bin und wusste, dass ich gut drauf bin. Auf der letzten Runde bin ich dann am Anstieg davongezogen, und das hat bis ins Ziel geklappt. Ich hätte wirklich niemals damit gerechnet, dass das hier heute was wird, ich kann es noch gar nicht glauben.“

Ihr zweites Gold bei dieser WM gewann Andrea Eskau. In der Klasse H5 setzte sich Eskau früh mit ihrer Dauer-Konkurrentin Oksana Masters ab, die beiden setzten sich weit von der Konkurrenz ab und alles lief auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinaus. Masters griff am Anstieg an – doch Eskau konterte und überholte die Amerikanerin mit einem fulminanten Schlussspurt. „Eine Tigerin lässt sich am Berg nicht abhängen“, sagte Eskau schmunzelnd. Nach einem schwierigen Jahr mit vielen Rückschlägen hat die 48-Jährige ihren gesundheitlichen Problemen getrotzt und fantastische Leistungen gezeigt. „Das ist der Lohn vieler Mühen, ich freue mich sehr, dass es so geklappt hat. Auf der Zielgeraden konnte ich nochmal zulegen“, betont Eskau, die sich mit ihrem nagelneuen Handbike sehr wohlgefühlt hat: „Das ist ein Riesenzugewinn, ich kann die Kurven mit höherer Geschwindigkeit fahren – und es war heute auch ein Quäntchen, so dass die Entscheidung zu meinen Gunsten ausgefallen ist.“

Foto: Oliver Kremer, sports.pixolli.comDen goldenen Schlusspunkt setzte Vico Merklein, der in der Klasse H3 nach dem Zeitfahren auch das Straßenrennen für sich entschied und somit zwei WM-Titel gewann. „Ich bin sehr, sehr glücklich! Heute auch im doppelten Sinn, weil das Rennen sehr chaotisch ablief. Schmale Straßen und eine große Gruppe, das ist eine Kombination, die bei mir heute zu einigen Ängsten geführt hat“, sagte der Doppel-Weltmeister am Ende des Tages überglücklich.

Auch die Dreiradfahrer hatten einen erfolgreichen Tag, alle vier Starter standen am Ende auf dem Podium. Hans-Peter Durst hatte nach einer verletzungs- und krankheitsgeplagten Saison schon Zeitfahrgold gewonnen und musste sich im Straßenrennen der Klasse T2 über vier Runden (29,6 Kilometer) nur dem US-Amerikaner Ryan Boyle geschlagen geben. „Auf der zweiten Runde sind wir alle im Park auf einem gefährlichen Stück gestürzt“, berichtete der 61-jährige Routinier. „Ich hatte die schnellste Reaktion, bin aus dem Gras raus und wieder losgefahren. Dann kamen der Neuseeländer Stephen Hills und Ryan Boyle wieder zurück, und wir haben es am Ende zu dritt ausgemacht. Auf der letzten Runde habe ich nochmal versucht, am Berg zu attackieren, kam aber nicht weg. Danach war ich gegen Boyle saft- und kraftlos, er ist im Sprint einfach stärker. Aber Silber nach so einer Saison ist einfach toll.“

Maximilian Jäger und Angelika Dreock-Käser gewannen bei ihrer ersten WM-Teilnahme im Straßenrennen beide Silber. Jäger war im Feld der Klasse T1 immer vorne dabei, machte aber in der letzten Kurve einen Fehler und wurde noch überholt. „Im Park habe ich dann nochmal angezogen und bin zu schnell in die letzte Kurve gefahren. Fast wäre ich in die Absperrgitter gefahren, ich musste bremsen, und da ging dann leider der Chinese vorbei. Trotzdem bin ich glücklich, zweimal Silber bei meiner ersten WM, sowohl im Zeitfahren als auch im Straßenrennen – besser kann es nicht laufen.“

Im Straßenrennen der Frauen der Klasse T2 setzten sich fünf Fahrerinnen früh ab, Dreock-Käser und Majunke waren beide dabei. Auf der letzten Runde verlor Majunke den Anschluss, kam aber wieder zurück. Rennentscheidend wurde dann ein Sturz am letzten Anstieg, Dreock-Käser und die Australierin Carol Cooke konnten dem Sturz ausweichen und kämpften um Gold, wobei sich Cooke durchsetzte. Jana Majunke kam dahinter auf Platz drei.

„Das Tempo wurde auf der letzten Runde ordentlich angezogen“, sagte die 52-Jährige aus Bremervörde. „In der letzten Runde habe ich richtig beschleunigt, damit ich zu den Ersten am Anstieg gehöre. Dort ist dann links neben mir die Kanadierin mit der Amerikanerin kollidiert und gestürzt. Carol Cooke und ich kamen heil durch, weil wir auf der anderen Spur waren. Ich war am Ende schon kaputt und kam dann auch nicht so schnell um die Kurve wie Carol, da merkt man dann jeden Antritt. Nachdem wir im Zeitfahren die Medaillen verpasst habe, freue ich mich, im Straßenrennen mit Jana zusammen auf dem Podium zu stehen.“

Außerdem wurde Mariusz Frankowski Sechster im Straßenrennen der Klasse H2 über sieben Runden (51,8 Kilometer), Bernd Jeffré belegte in der stark besetzten Klasse H4 über neun Runden (66,6 Kilometer) den neunten Platz.

Insgesamt gewannen die deutschen Fahrerinnen und Fahrer bei der Weltmeisterschaft in Emmen acht Gold-, acht Silber- sowie drei Bronzemedaillen. Den Auftakt machten die Handbiker am Mittwochabend mit einer Bronzemedaille im Team-Relay, im Zeitfahren gewannen dann am Donnerstag die Zweiradfahrer Michael Teuber und Matthias Schindler Silber sowie Kerstin Brachtendorf Bronze in ihren jeweiligen Startklassen. Freitag holte Dreiradfahrer Hans-Peter Durst die erste Goldmedaille im Zeitfahren, gefolgt von Silber für Maximilian Jäger und weiteren Goldmedaillen für die Handbiker Andrea Eskau und Vico Merklein. Samstag siegten die Zweiradfahrer Maike Hausberger und Steffen Warias in ihren Straßenrennen, Kerstin Brachtendorf und Pierre Senska gewannen jeweils eine Silbermedaille. Der Sonntag war dann mit sieben Medaillen der erfolgreichste Tag der Weltmeisterschaft.

„Meine Erwartungen wurden übertroffen“, zog Tobias Bachsteffel, seit Anfang 2019 Bundestrainer im Para Radsport, Bilanz. „Ich dachte mir schon, dass wir in verschiedenen Klassen gut bis sehr gut abschneiden werden, aber in Summe haben wir eine richtig gute Mannschaftsleistung abgerufen. Das Betreuerteam, das ja komplett neu zusammengewürfelt ist, funktioniert ebenfalls hervorragend, die Abläufe sind abgestimmt. Es sind ja zwei Mannschaften bei einer Weltmeisterschaft, einmal die Athleten und einmal die Betreuer – und mit beiden bin ich sehr zufrieden.“

Im Jahr vor den Paralympics 2020 in Tokio sieht Bachsteffel die deutschen Para Radsportler auf dem richtigen Weg: „Wir haben jetzt einen guten Fingerzeig, wo wir uns in den verschiedenen Klassen befinden. Es gibt noch einige Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind, wo wir Verbesserungspotenzial haben und an denen wir noch arbeiten können, sei es Renntaktik oder Material, doch es geht in eine richtig gute Richtung.“

Die deutschen Medaillengewinner:
Gold:
Hans-Peter Durst, Zeitfahren T2 Männer
Andrea Eskau, Zeifahren H5 Frauen
Vico Merklein, Zeitfahren H3 Männer
Maike Hausberger, Straßenrennen C2 Frauen
Steffen Warias, Straßenrennen C3 Männer
Annika Zeyen, Straßenrennen H3 Frauen
Andrea Eskau, Straßenrennen H5 Frauen

Silber:
Michael Teuber, Zeitfahren C1 Männer
Matthias Schindler, Zeitfahren C3 Männer
Maximilian Jäger, Zeitfahren T1 Männer
Kerstin Brachtendorf, Straßenrennen C5 Frauen
Pierre Senska, Straßenrennen C1 Männer
Hans-Peter Durst, Straßenrennen T2 Männer
Angelika Dreock-Käser, Straßenrennen T2 Frauen
Maximilian Jäger, Straßenrennen T1 Männer

Bronze:
Annika Zeyen, Bernd Jeffré und Vico Merklein, Teamrelay Handbiker
Kerstin Brachtendorf, Zeitfahren C5 Frauen
Jana Majunke, Straßenrennen T2 Frauen

Mehr Informationen zu den Athletinnen und Athleten des Team Deutschland Paralympics finden sie unter www.teamdeutschland-paralympics.de

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