• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan:
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan:
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan:
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan:
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan:

Der Paralympics-Countdown läuft: Noch ein Jahr bis zu den Spielen in Tokio, die am 25. August 2020 eröffnet werden – Einige deutsche Sportler können bereits die Reise nach Japan planen, viele weitere wollen sich noch qualifizieren

Foto: Binh Truong / DBSDer Paralympics-Countdown läuft: Die Deutsche Paralympische Mannschaft fiebert den Spielen in Tokio entgegen, die am 25. August 2020 eröffnet werden. Rund 4400 Athletinnen und Athleten mit Behinderung aus etwa 160 Nationen werden in 22 Sportarten am Start sein und in 540 Medaillenentscheidungen um Edelmetall kämpfen. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung, die die Paralympics inzwischen erlangt haben. Und in Japan, das lässt sich schon ein Jahr vorher prognostizieren, wird die Begeisterung groß sein und der paralympischen Bewegung wieder einen Schub verleihen.

Jochen Wollmert hat die Entwicklung des Para Sports in den vergangenen Jahrzehnten hautnah miterlebt. In diesem Jahr spielt 54-jährige Wuppertaler seine 30. internationale Saison. 2020 in Tokio strebt der Tischtennisspieler seine achte Paralympics-Teilnahme an. Seine Premiere feierte Wollmert 1992 in Barcelona, inzwischen ist er fünffacher Paralympics-Sieger, gewann zehn Medaillen. Satt ist er deswegen nicht. „Es macht immer noch so viel Spaß und die Paralympics sind nach wie vor wahnsinnig reizvoll. Die Eröffnungsfeier, die vollen Hallen, das größere Interesse an unserem Sport – das ist immer ein Highlight“, sagt Wollmert. Früher seien die Spiele deutlich überschaubarer gewesen, auch unprofessioneller. „Das hat sich stark gewandelt. Wir sind zwar in Sachen Aufmerksamkeit noch nicht da, wo wir sein müssten, aber es wird immer besser.“

Auch die Paralympics sind in Tokio schon sehr präsent: „Das macht Lust auf mehr“

Davon konnte er sich auch jüngst in Tokio überzeugen, wo Wollmert ein Turnier spielte. „Die Olympischen und Paralympischen Spiele sind in der Stadt schon sehr präsent. Auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird schon viel Werbung macht, sogar für Para Tischtennis. Das macht Lust auf mehr.“ Früher undenkbar, heute Realität. Auch deswegen wird Wollmert alles geben, um seine achte Teilnahme zu realisieren. In der Weltrangliste hat er sich auf Rang zehn vorgearbeitet und wird das Pensum mit Blick auf Tokio weiter steigern. Dann will er erst die Qualifikation packen – und hätte auch gegen sein elftes paralympisches Edelmetall nichts einzuwenden. „Mit einer guten Form und Glück bei der Auslosung wäre eine Medaille schon machbar“, betont Wollmert. Wohlwissend, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist. Doch so viel ist gewiss: An der Motivation wird es beim selbst ernannten alten Hasen nicht scheitern.

Para Badmintonspieler Young-Chin Mi kennt die Paralympics hingegen bisher nur aus dem Fernsehen. Dass der 40-jährige Dortmunder mit koreanischen Wurzeln überhaupt mal von einer Teilnahme an den Spielen träumen würde, schien bis vor wenigen Jahren undenkbar. Doch dann die Entscheidung: Para Badminton wird in Tokio 2020 ebenso wie Para Taekwondo neu zum Programm der Paralympics gehören. Und Mi hatte fortan ein neues sportliches Ziel. Die Entwicklung seitdem sei „total spannend, das Niveau wird immer höher“, sagt der Rollstuhlfahrer, der als Folge eines Autounfalls querschnittgelähmt ist und seit zehn Jahren Para Badminton spielt.

Para Badminton-Spieler Young-Chin Mi: „Eine Paralympics-Medaille wäre ein Traum“

„Ich habe nicht speziell nach einer paralympischen Sportart gesucht. Zum Para Badminton bin ich eher zufällig gekommen. Ich hatte schon immer Spaß am Sport, wollte mich nach dem Unfall wieder bewegen und aktiv sein. Im Rollstuhl muss man das erstmal neu lernen“, erklärt Young-Chin Mi. Mit der Aussicht auf die Paralympics ist aus einem ambitionierten Hobby schließlich Leistungssport geworden. Für den Traum von den Spielen zieht der 40-Jährige von Dortmund nach Hannover, um dort am Stützpunkt unter Top-Bedingungen zu trainieren – obwohl er in Dortmund ein Haus gebaut hat. „Die Leidenschaft ist größer als die Logik“, sagt Mi lachend. Doch dieser Schritt sei notwendig, um mit der weltweiten Konkurrenz mithalten zu können. „Gerade die Asiaten sind wahnsinnig stark. Dort hat die Sportart eine ganz andere Popularität und Professionalität.“

Dennoch ist Mi zuversichtlich, dass er die Qualifikation packen kann und 2020 seine Paralympics-Premiere feiern wird. „Und dann will ich dort nicht abgeschossen werden, sondern mitspielen. Es ist sportlich das höchste Ziel, bei den Paralympics auf dem Podest zu stehen. Eine Medaille wäre ein Traum“, sagt Mi. Vor allem im Doppel ist das nicht völlig ausgeschlossen. Noch fühlten sich die Spiele weit weg an, doch der Dortmunder ist sich sicher: „Es wir sehr aufregend, ein Riesenerlebnis.“ Vor allem, wenn man es nicht nur im Fernsehen verfolgt, sondern live erleben darf.

In diesen Genuss wird Dr. Karl Quade in Tokio bereits zum 16. Mal kommen. Dreimal war das deutsche Paralympics-Urgestein als Athlet dabei und gewann 1988 als Volleyballer Gold, weitere zwölfmal war er bereits als Chef de Mission der deutschen Mannschaft vor Ort. So auch bei den Winterspielen in Nagano 1998. „Das waren richtig gut organisierte Spiele. Ich bin mir sicher, dass wir in Tokio hervorragende Rahmenbedingungen vorfinden werden. Die Informationen, die wir bekommen, stimmen uns zuversichtlich. Und die Begeisterung in Japan wird groß sein“, betont der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes.

Goalball-Herren und Rollstuhlbasketball-Damen sind schon sicher qualifiziert

Schon jetzt gibt es neue Bestmarken, die die rasante positive Entwicklung der Paralympics unterstreichen: Nie zuvor war das weltweite mediale Interesse so groß – das zeigt ein Blick auf die hohe Zahl an Medienakkreditierungen. Und noch nie zuvor wurden so viele Sportarten übertragen, wie es in Tokio der Fall sein wird. Das verspricht eine deutlich größere Reichweite und einen weiteren Anstieg der globalen Zuschauerzahlen. Einzig mit Blick auf barrierefreie Unterkünfte sowie den Transport hat Quade ein paar Sorgenfalten. „Wir hoffen, dass genügend barrierefreie Zimmer in den Hotels und im Paralympischen Dorf vorhanden sind und das der Verkehr in dieser riesigen Metropole so reibungslos wie möglich läuft.“

Und natürlich hofft der Chef de Mission auf viele gute Leistungen der Deutschen Paralympischen Mannschaft. Ob das Team größer wird als 2016 in Rio de Janeiro, als 155 Athletinnen und Athleten die deutschen Farben trugen, sei noch nicht absehbar. „Das hängt vor allem mit den Teamsportarten zusammen. Wir freuen uns, dass sich unsere Goalball-Herren und Rollstuhlbasketball-Damen schon sicher qualifiziert haben“, berichtet Quade. Weitere Mannschaften sollen folgen. Chancen haben noch beide Sitzvolleyball-Teams (bei Qualifikationsturnieren im März 2020), die Rollstuhlbasketball-Herren (bei der EM Anfang September), die Blindenfußballer (bei der EM Mitte September) und Rollstuhlrugby (bei einem Qualifikationsturnier im Frühjahr 2020).

„Dazu haben wir bereits einige weitere Startplätze gesammelt, unter anderem in den Sportarten Para Judo, Para Kanu, Para Sportschießen und Para Dressursport. Damit können wir zum jetzigen Zeitpunkt sehr zufrieden sein“, sagt Karl Quade und fügt an: „Einige bekannte Gesichter sind nicht mehr dabei, neue werden hinzukommen. Wir werden mit hochmotivierten Athletinnen und Athleten nach Tokio reisen, die Vorbilder für Menschen mit und ohne Behinderung sind sowie Botschafter für Deutschland.“ Am 25. August 2020 ist es so weit, dann steigt in Tokio die Eröffnungsfeier. Und dann wollen neben Karl Quade auch Jochen Wollmert und Young-Chin Mi dabei sein – und möglichst viele weitere Athletinnen und Athleten der Deutschen Paralympischen Mannschaft.

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