Para Taekwondo: Um seinem Traum von den Paralympics 2020 näherzukommen, will Hasim Celik bei der Weltmeisterschaft nicht nur aufs Podest, sondern im türkischen Antalya auch wichtige Weltranglistenpunkte sammeln

Foto: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie Frechen, 4. Februar 2019. Noch ist Hasim Celik der Einzelkämpfer im deutschen Para Taekwondo. Als einziger Starter des Deutschen Behindertensportverbandes ist er zu den Weltmeisterschaften nach Antalya gereist, wo er am 5. und 6. Februar in der Klasse K44 über 75 Kilogramm um den Titel mitkämpfen möchte.

„Ich hoffe auf einen Medaillenplatz“, sagt der Sportler des KSC Leopard Nürnberg selbstbewusst. „Wenn man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, möchte man natürlich gut abschneiden und am liebsten gewinnen. Aber die Konkurrenz ist stark, es wird auch auf das Losglück ankommen.“ Seit das Internationale Paralympische Komitee 2015 Para Taekwondo ins Programm für die Spiele in Tokio aufgenommen hat, erfährt die Sportart einen spürbaren Schub. Aufmerksamkeit und Stellenwert sind größer geworden. Das bekommt auch Celik zu spüren. „Die Teilnehmerzahlen haben sich bei Turnieren fast verdoppelt. Dadurch ist das Niveau angestiegen“, sagt er. „Es ist nicht selbstverständlich, bei einer WM die vorderen Plätze zu erreichen.“

Immer mehr Sportler kämpfen um die Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio. Die Spiele sind Celiks großer Traum – darauf hat er seine gesamte Wettkampfplanung ausgerichtet. Priorität soll bis dahin der Sport haben, deshalb hat er unter anderem seine politischen Aktivitäten zurückgefahren. Für das Amt als Landesvorsitzender der Arbeitsgruppe „Migration und Vielfalt“ der SPD Bayern, das er bekleidete, ließ er sich zuletzt nicht mehr aufstellen. „Ich mache mein ganzes Leben Taekwondo. Ich war Welt- und Europameister. Die Paralympics fehlen mir noch. Das ist eine große Chance für mich“, schwärmt der 28-Jährige. „Es wäre schön, wenn mir die Teilnahme auf Anhieb gelingt.“

Ein Platz unter den besten Vier bedeutet das Ticket nach Tokio

Mit Blick auf die Qualifikation wäre ein gutes Ergebnis bei den Weltmeisterschaften umso wichtiger. Je besser das Resultat, je mehr Punkte kann Celik für die Weltrangliste sammeln. Die Platzierung im Klassement ist maßgeblich für die Teilnahme an den Paralympics. Die besten vier Sportler sind direkt qualifiziert. „Mein Ziel ist es, einer von ihnen zu sein“, erklärt Celik, der im Moment Elfter ist. Andernfalls hat er die Chance, sich seinen Startplatz über kontinentale Meisterschaften zu sichern. Über das Jahr verteilt gibt es außerdem die Möglichkeit, bei Turnieren zu punkten.

Dass er im Para Taekwondo einziger deutscher Athlet bei internationalen Wettkämpfen ist, muss nicht so bleiben. In seiner Sportart, sagt Celik, ist auch in Deutschland einiges im Umbruch. Der gebürtige Weißenburger lebt und arbeitet auch in Nürnberg, wo es seit Jahresbeginn einen Bundesstützpunkt Taekwondo gibt, dessen Leitung er in hauptamtlicher Funktion übernommen hat. „Wir betreuen unter anderem die deutsche Nationalmannschaft“, erklärt der 28-Jährige. „Bis zu 40 Kadersportler trainieren dort täglich, abends kommen Sportler aus den Vereinen dazu. Das können schon mal 150 und mehr gleichzeitig sein.“
Behinderte und nicht-behinderte Sportler trainieren dort zusammen. „Ich kenne das gar nicht anders“, betont Celik, der vom neuen Konzept schwärmt und mit einem Augenzwinkern anfügt: „Ich habe den kürzesten Weg von der Arbeit zum Training.“

Zur intensiven Vorbereitung auf die WM hat er in einwöchiges Trainingslager in Nürnberg absolviert. Betreut wird er dort von seinem Heim-Trainer Nurettin Yilmaz, zugleich bayerischer Landestrainer der Taekwondo-Kämpfer ohne Behinderung. Celik fühlt sich fit für die anstehenden Kämpfe. Im besten Fall sind es mindestens fünf bis zum Finale. Gekämpft werden im Para Taekwondo einmal fünf Minuten. Der Verlierer scheidet direkt aus.

Dieses Mal soll es für ihn besser laufen als bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Bulgarien, als Celik seine anvisierte Medaille verpasste und bereits im Viertelfinale Endstation war. Dass die WM im Heimatland seiner Eltern stattfindet, soll ein gutes Omen sein. „Meine Eltern kommen aus der Türkei. Ich besuche dort jedes Jahr meine Großeltern“, sagt Celik, der auf familiäre Unterstützung hofft. „Meine Tanten wissen Bescheid. Vielleicht klappt es, dass sie dabei sein können.“

Quelle: Stefanie Bücheler-Sandmeier

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