• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan:
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan:
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan:
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan:
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan:

Para Ski alpin-WM: Thomas Nolte ist bei den Weltmeisterschaften der Hahn im Korb des deutschen Teams – Die Resultate waren enttäuschend, doch mit Blick auf die Paralympics 2022 will er es nochmal wissen und seine letzte Chance nutzen

Foto: Ralf Kuckuck, DBS-AkademieKranjska Gora, 23. Januar 2019. Keine Frage, die Para Ski alpin-Weltmeisterschaften sind für Thomas Nolte nicht wie gewünscht verlaufen – ebenso wie bei den Paralympischen Spielen 2018 in PyeongChang blieb der 34-jährige Monoskifahrer hinter seinen eigenen Zielen und Erwartungen. Die Plätze 16 im Riesenslalom und neun im Slalom können den Niedersachsen, der schon WM-Medaillen gewann und bei den Spielen Edelmetall nur knapp verpasste, nicht zufriedenstellen. Doch so möchte Thomas Nolte seine Karriere nur ungerne beenden – und nimmt deshalb die Paralympics 2022 ins Visier.

Ein Kind der Berge ist Thomas Nolte wahrlich nicht. Geboren in Helmstedt und aufgewachsen in Räbke – von Hügeln geschweige denn Skipisten keine Spur. Letztlich war es ein schlimmes Ereignis, das Nolte zum Skifahren brachte. 1993 ging es mit der Familie in den Urlaub, Nolte war damals neun Jahre alt. Dann der Schock: ein schwerer Unfall bei der Anreise. Nach dem Aufprall habe er seine Beine nicht mehr gespürt, erinnert er sich. Die Diagnose: Querschnittlähmung. Doch Nolte kämpfte sich zurück, trieb auch wieder Sport. Er spielte Rollstuhlbasketball und Rollstuhltennis, zum Wintersport kam er eher zufällig. Auslöser war ein Skiurlaub mit der Familie. „Da saß ich den ganzen Tag nur im Bergrestaurant und habe gesagt: Entweder probiere ich nächstes Mal den Monoski aus oder ich bleibe zu Hause.“

Verpasste Paralympics-Medaillen und lange Ausfallzeiten

Der Niedersachse blieb nicht zu Hause, fand Gefallen am Monoski, war talentiert und entschied sich 2004 für den Wintersport – mit der Perspektive, zwei Jahre später an den Paralympics teilzunehmen. Doch die Spiele verpasste er aufgrund einer Verletzung. Seine Premiere feierte Nolte dann erst 2010 in Vancouver, fuhr jedoch als Vierter ebenso knapp an den Medaillenrängen vorbei wie in Sotschi als Fünfter. In PyeongChang 2018 blieb er nach langer Ausfallzeit im Vorfeld deutlich hinter seinen eigentlichen Ansprüchen. Wieder war es nichts mit seinem Traum von einer Paralympics-Medaille.

Auch die WM 2019 endete mit enttäuschenden Ergebnissen. „Klar habe ich mein Ziel verfehlt. Es ist bei mir eine mentale Geschichte, fahrerisch und technisch passt es ganz gut. Hauptsächlich mangelt es am Selbstvertrauen, an der Sicherheit“, erklärt Nolte. Denkt man nach so vielen Rückschlägen in der jüngeren Vergangenheit auch ans Aufhören? „Natürlich habe ich mit dem Gedanken gespielt“, sagt er. Schließlich wisse er, dass er mit 34 Jahren auch nicht mehr der Jüngste sei. „Doch ich habe die Motivation und den Willen, mich wieder heranzukämpfen“, betont Nolte und fügt an: „Dafür muss ich hart arbeiten und richtig ranklotzen, das weiß ich.“

Grundvoraussetzung ist, dass sein Körper mitspielt. Zwei Operationen in 2015, vier in 2016, dann ein Jahr komplett pausiert, dazu immer wieder Infektionen – „das hat viel Substanz gekostet“, sagt Nolte. Die vergangenen Jahre hätten ihn zweifellos deutlich zurückgeworfen. Doch jetzt fühlt er sich körperlich wieder besser, hat aber nach wie vor Aufholbedarf. „Ich muss in Sachen Kondition und Kraft zulegen, brauche viele Kilometer auf dem Ski, um wieder mehr Sicherheit und Gefühl zu bekommen, und ich werde weiter mit meinem Mentaltrainer arbeiten.“

Kämpfertyp: „Ich werde alles darauf ausrichten, um mein Ziel zu erreichen“

Und der Traum von der Paralympics-Medaille? „Das bleibt auch weiter mein Ziel. Wenn ich das nicht hätte, bräuchte ich den Aufwand doch nicht mehr zu betreiben und könnte aufhören. Ich werde in den kommenden drei Jahren alles darauf ausrichten, um dieses Ziel zu erreichen“, sagt Nolte kämpferisch. Fest steht: Die Paralympics in Peking 2022 sind seine letzte Chance – die muss er nutzen und sich in bestmögliche Verfassung bringen. Sonst ist der Traum vom Edelmetall bei den Spielen endgültig geplatzt.

Die WM in Kranjska Gora ist für Thomas Nolte persönlich beendet. Bei den Speed-Rennen wird der 34-Jährige vom MTV Braunschweig nicht mehr am Start sein. Abhaken, analysieren und nach vorne schauen lautet die Devise. Und den Teamkolleginnen um Anna Schaffelhuber, Anna-Lena Forster und Andrea Rothfuss die Daumen drücken. „Wir sind eine Mannschaft und ich werde die Mädels anfeuern. Sie sind gut drauf und ich bin zuversichtlich, dass sie noch ein paar Medaillen holen“, sagt Teamplayer Nolte, der Werte wie Respekt und Fairness im Sport lebt, auch gegenüber seinen Kontrahenten aus anderen Nationen. Der deutsche Hahn im Korb verabschiedet sich von der WM, allerdings noch nicht von der Piste. Denn da hat er noch eine Rechnung offen – und einen großen Traum. Doch Thomas Nolte ist ein Kämpfer. Das hat er in seinem Leben bereits bewiesen.

Bei den Para Ski alpin-Weltmeisterschaften messen sich zunächst in Kranjska Gora (Slowenien) und anschließend in Sella Nevea (Italien) rund 100 Athletinnen und Athleten aus 30 Nationen (21. Januar bis 1. Februar) zehn Monate nach den Paralympics. Das deutsche Team von Bundestrainer Justus Wolf hat nach drei von sieben Wettkampftagen einmal Silber und einmal Bronze auf dem Medaillenkonto.

Alle Infos rund um die WM gibt es hier: www.paralympic.org/sella-nevea-kranjska-gora-2019

Hintergründe zu den Sportlerinnen und Sportlern unserer Deutschen Paralympischen Mannschaft finden Sie unter www.deutsche-paralympische-mannschaft.de.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.