• Ein Handbike-Fahrer mit dem Slogan: Ich kann zwar nicht laufen, aber aufs Treppchen komm ich trotzdem
  • Eine Bogenschützin im Stehen mit dem Slogan: Meine Behinderung sieht man mir nicht an. Aber meinen Siegeswillen.
  • Ein blinder Fußballspieler mit Augenbinde und dem Slogan: Ich habe zwar noch nie ein Tor gesehen, aber ich weiß wie man eins schießt.
  • Eine Handbike-Farerin mit dem Slogan: Man muss nicht laufen können, um die Konkurenz stehen zu lassen.
  • Ein Mann dem eine Hand fehlt, der ein Segel montiert mit dem Slogan: Ob mir eine zweite Hand helfen könnte? Beim Aufhängen der Trophäen vielleicht.

Das Sportjahr 2015/16 war ein durchweg erfolgreiches für die Hamburger Rollstuhlbasketball-Sportler, wie auch für die Akteure des Paralympischen Trainingsstützpunkt (PTS). Während sich im Ligabetrieb die BG Baskets, also der ersten Mannschaft des PTS-Partnervereins Hamburger SV, im vorderen Tabellendrittel etablierten, erneut ins Final-Four des Pokalwettbewerbs zogen und sich bereits zum zweiten Mal in Folge für den europäischen Vereinswettbewerb qualifizierten, lag mein Fokus als Landes- und PTS-Trainer in der Nachwuchsförderung und im Bereich der strategischen Neuausrichtung des Hamburger Stützpunkts.

Von links: Maya Lindholm, Kai Möller, Gesche Schünemann und Matthias Heimbach vertreten die HSV-Farben bei den Paralympics in Rio. Beim Stadionfest des HSV posiert das Quartett mit den beiden Neuzugängen der Fußballprofis, Finn Porath und Bakery Jatta.

Die strategische Neuausrichtung betrifft primär die Bindung von Perspektivspielern auch aus den Nachbar-Landesverbänden Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern an den PTS Hamburg. Mit beiden Landesfachverbänden konnte noch vor den Sommerferien 2016 eine Kooperationsvereinbarung getroffen werden, die speziell auf die jungen Spieler zielt: So werden sich künftig auch die Talente der nördlichen Nachbarverbände dem PTS Hamburg anschließen und so auch von mir zentral erfasst, betreut und gefördert.

Nach dem Gewinn der Europameisterschaft im britischen Worcester vergangenen Sommer, bei dem mit Gesche Schünemann, Annika Zeyen und Maya Lindholm gleich drei Hamburgerinnen mit von der Partie waren, kehrte im Winter 2015 auch Ex-Nationalspielerin Simone Kues ins Nationalteam zurück. Somit trainieren nach dem Wegzug von Mareike Miller (ehem. Adermann) in 2016 wieder vier A-Kader-Damen am PTS Rollstuhlbasketball in Hamburg. Alle Vier konnten sich für die Paralympics in Rio qualifizieren. Im Frühjahr schloss sich auch die junge Flensburgerin Rebecca Lieb dem Hamburger SV an. Die 20-Jährige wurde im Sommer 2016 Vize-Europameisterin mit der U25-Nationalmannschaft des Deutschen Rollstuhlsportverbandes. Des Weiteren trainieren acht Landesauswahl-Spielerinnen und -Spieler regelmäßig am Hamburger PTS.

Nebenher wurde die vor Jahren bereits geschlossene Kooperation mit dem PTS in Hannover mit neuem Leben gefüllt. Ausdruck dessen ist die gemeinsame Juniorenmannschaft beider Stützpunkte, die unter dem Namen „Team Nord“ am diesjährigen Junioren-Länderpokalturnier (3. Platz) in Bonn und am Top-Drei-Turnier (2. Platz) in Donauwörth äußerst erfolgreich teilnahm.

„Team Nord“ bestätigte Ende Mai die gute Nachwuchsarbeit mit Platz 3 beim JLP 2016 in Bonn. Die Trainer Martin Kluck (Niedersachsen, 7 Teilnehmer) und Bernd Eickemeyer (Hamburg, 4 Teilnehmer) freuten sich besonders über die großen Fortschritte, die die Jugendlichen in den letzten Monaten gemacht haben.

Bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften der Damen im niedersächsischen Quakenbrück hatten die von Bundestrainer Holger Glinicki und mir gecoachte Hamburger Mannschaft sportlich viel Pech. Nach holprigem Turnierbeginn konnten dennoch alle Vorrundenspiele gegen Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gewonnen werden. Im Halbfinale dann traf das „Team Hamburg“ auf eine hochmotivierte bayrische Mannschaft, die zwar zum Ende hin konditionelle Defizite zeigte, jedoch von der unterirdischen Wurfquote der Hamburgerinnen profitierte. Am Ende unterlag Hamburg knapp (51:53) und unglücklich in dieser entscheidenden Partie um den Finaleinzug. So blieb für das mit vier Nationalspielerinnen gespickte Team des Trainerduos Holger Glinicki/Bernd Eickemeyer nur das kleine Finale und die enttäuschende Gelegenheit, sich wenigstens Rang drei zu sichern. Das sollte dann auch eindrucksvoller gelingen, als es die zahlreichen Zuschauer in der Artland Arena erwartet hatten: Am Ende wurde Nordrhein-Westfalen mit 80:28 geradezu deklassiert.

Bundestrainer Holger Glinicki (re.) und PTS-Trainer Bernd Eickemeyer (li.) präsentieren sich mit den Hamburger Damen bei der DM in Quakenbrück. Auch wenn in den entscheidenden Momenten das Glück fehlte, reichte es für die acht Hamburgerinnen im Juni 2016 zu Rang drei.

Im Bereich der Talentfindung (Scouting) wurden in Hamburg neue Wege beschritten. So konnte erstmalig und sehr erfolgreich zusammen mit der BG Hamburg West ein TryOut organisiert werden. An dieser Einsteiger-Trainingsveranstaltung nahmen 16 junge Spieler aus Hamburg und dem direkten Umland teil, von denen der jüngste zwölf Jahre alt war.

Gruppenbild TryOut: Die jungen Teilnehmer hatten nicht nur beim Fotoshooting Spaß. Ein besonderes Highlight waren die Jung-Nationalspieler Jan Sadler und Philipp Schorp (Bildmitte), die den Youngsters viele Tipps und Kniffe zeigten und sie am Ende auch noch im Trainingsspiel coachten.

Als zweite Neuerung im Bereich Talentfindung veranstaltete der PTS-Partnerverein HSV Ende April eine Ladies-Challenge. Diese Veranstaltung richtet sich speziell an junge Mädchen und Frauen. Zu dieser - ebenso wie das zuvor erwähnte TryOut - vom Deutschen Rollstuhlsportverband (DRS) initiierten Veranstaltung konnte ich zwölf junge Damen in der Barakiel-Halle der Ev. Stiftung Alsterdorf begrüßen. Als „Star“ der Veranstaltung trat die Hamburger Nationalspielerin und aktuelle Paralympics-Teilnehmerin Maya Lindholm auf, die sehr eindrucksvoll von ihrer persönlichen Karriere berichtete.

Veranstaltungs-„Star“ Maya Lindholm (links in weißer Jacke) berichtete bei der Ladies Challenge von ihrer Karriere. Als besonders motivierend empfanden die jungen Spielerinnen, dass sich die heute täglich trainierende Nationalspielerin als faulen „Couchpotato“ bezeichnete, als sie sich an ihre Freizeitgestaltung vor Eintritt der Behinderung erinnerte.

Bedingt durch den Aufstieg der 2. HSV-Mannschaft in die 2. Bundesliga Nord und der Bildung einer Spielgemeinschaft der 3. Mannschaft des HSV mit dem Regionalligisten TSV Nusse aus Schleswig-Holstein ergeben sich in der kommenden Spielzeit ganz neue Perspektiven für die Entwicklung der Sportler am PTS Hamburg und beim PTS-Partnerverein Hamburger SV: Als einziger deutscher Erstligist hat der HSV jetzt Mannschaften in den drei höchsten deutschen Ligen platziert und noch eine Mannschaft für den Einstieg in diese faszinierende Sportart in einer unteren Spielklasse gemeldet. Die Trainer dieser Teams planen für die Zukunft eine enge Kooperation.

Diese einmalige Konstellation der Vereinsmannschaften und die Nähe zum PTS in Hamburg hat bereits jetzt Magnetwirkung entwickelt: Der Standort Hamburg ist in der Rollstuhlbasketballszene auch über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus bekannter denn je. Zudem bietet die hohe Qualität der gegenwärtig aktiven Trainer am PTS und im Partnerverein HSV besonders jungen Spielern eine gute Perspektive. Schließlich ist die geplante Durchlässigkeit innerhalb der Ligamannschaften des HSV ein gutes Sprungbrett für eine sportliche Karriere. Auch wenn es noch weitere Entwicklungspotentiale und Verbesserungsmöglichkeiten gibt, lassen die vorgenannten Fakten mich um die Zukunft der Rollstuhlbasketball-Metropole Hamburg nicht bange werden.

Ergänzend zu den genannten Leistungssport-Aktivitäten konnte ich zusammen mit Peter Richarz vom DRS die Zusammenarbeit mit den Hamburger Schulen neu aufnehmen. Dabei zielt mein Interesse einerseits auf die vier sonderpädagogischen Einrichtungen Hamburgs und andererseits auf die Regelschulen in denen Integrationskinder (Kinder mit körperlichen Einschränkungen der unteren Extremitäten) beschult werden. Auch aus einem solchen Breitensportprogramm erhoffe ich mir immer wieder neue, junge Spieler zu gewinnen, die das Fundament der Hamburger Vereinsmannschaften (Hamburger SV und BG Hamburg West) festigen und stärken können. Mittelfristiges Ziel ist es, eine Rollstuhlbasketball-Schulliga für Hamburg und eventuell auch für das direkte Umland ins Leben zu rufen. Diese Schulliga wird dann von den Schulen in Eigenregie organisiert und durchgeführt. Der Wunsch der beteiligten Schulen ist es, diese Schulliga dauerhaft zu etablieren.

Mit sportlichem Gruß
Bernd Eickemeyer
RBB-Landestrainer im BRSH und lt. Trainer am PTS Hamburg

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